Frauen in der Sprache

Magdalene
Sonntag, 12. Juli 2015 - 16:00

Dass Frauen Männern gegenüber sprachlich gleichwertig zu  behandeln sind,  ist  offenbar noch immer ein schwieriges Thema. In der Saarbrücker Zeitung vom 1. Juli 2015 (Seite D5 - Wissen) hat der SZ-Mitarbeiter Martin Schäfer - „mannomann“ - die aktuelle Situation thematisiert.  

„Frauen sind nicht mitgemeint“ ist sein Fazit. Und im Untertitel stellt er fest: „Die Gleichstellung der Geschlechter in der Sprache ist ein höchst kompliziertes Unterfangen“.
Eine Untersuchung der Uni Freiburg ist zu diesem Ergebnis gekommen. Dass die Frauen „mitgemeint seien“, wenn männliche Begriffe beispielsweise im beruflichen Kontext verwendet werden: der Installateur, der Verkäufer, der Ingenieur, trifft nicht zu. Die Psychologin Evelyn Ferstl hat Reaktionen auf geschriebene oder gesprochene Sprache untersucht, indem sie die elektrische Aktivität des Gehirns von Testpersonen analysiert oder direkt ins Hirn geschaut hat mit Hilfe von „bildgebenden Verfahren“. Dabei musste sie erkennen, dass Menschen, wenn sie von Installateuren, Verkäufern und Ingenieuren hören – und es stellt sich „im weiteren Verlauf der Geschichte“ heraus, dass dabei von Frauen gesprochen wurde –  diese in ihrem EEG „wie ein grammatikalischer Fehler“ wirken.
Verwenden Menschen also sogenannte „generische maskuline Formulierungen“, sind Frauen keinesfalls mitgemeint. Ein nun auch naturwissenschaftlich nachgewiesener gravierender Befund, meine ich.

LeserInnenbriefe, die daraufhin veröffentlicht wurden, verdeutlichen weiter die Problematik. Dr. Naomi Stephan findet „...im gegenwärtigen Deutsch die sprachliche Dominanz von männlichen Formen irritierend und ärgerlich.“ Sie äußert sogar die Auffassung, dass Frauen sich gerne hinter männlichen Begriffen verstecken. Als Grund dafür könnte sie anfügen, dass es noch immer Frauen gibt, die Männern alle Verantwortung überlassen wollen. - Das belegt der Leserinnenbrief von Stephanie Molter. Diese berichtet über bittere Erfahrungen im katholischen Bereich, in ihrer saarländisch-dörflichen Pfarrgemeinde. Da ist es bis heute nicht zu erreichen, dass Lektorinnen und Lektoren (tragen liturgische Texte vor) nicht nur  „Brüder“, sondern „Schwestern und Brüder“ ansprechen. Sie erlebt Kopfschütteln und abwertendes Lachen auch von Frauen, wenn sie die Rede auf dieses Thema bringt. Alfred Schön, Mitarbeiter der SZ, stimmt  in seiner Antwort dem Anliegen von Frau Molter nicht nur zu, sondern bezeichnet ihr Anliegen als „Selbstverständlichkeit“ und fordert auch „die hohe Geistlichkeit“ zu entsprechender Änderung auf. Damit jedoch ist das tiefgründige Sprachproblem nicht gelöst, reichen seine Wurzeln doch bis in die Zeit der Ablösung von Matriarchaten durch Patriarchate zurück, also gut 5000 Jahre.

Mich persönlich beschäftigt das Sprachproblem mindestens seit 25 Jahren. Seitdem verwende ich weibliche Sprachformen, wenn es um Frauen geht. Falls ich in Eile bin,  verwende ich manchmal die Variante des großen „I“: LehrerInnen, MusikerInnen, wenn Männer und Frauen gemeint sind. Für gewöhnlich nehme ich mir aber die Zeit, beide Geschlechter zu benennen.  Ich schreibe also an: „Freundinnen und Freunde“, womit ich meine Wertschätzung für beide Geschlechter am besten ausdrücken kann.